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Offshore Firma gründen: Definition Offshore Firma

Die meisten Mandanten meinen mit einer Offshore Firmengründung eine Firmengründung im Ausland. Dabei wird umgangssprachlich zunächst nicht unterschieden, ob die Offshore Firma in Europa, in anderen Industriestaaten oder in sogenannten Steueroasenländern installiert werden soll. Steuerrechtlich ist das allerdings ein erheblicher Unterschied.

Einige Staaten kennen zudem einen Unterschied zwischen einer Offshore- und einer Onshore-Gesellschaft. Offshore Gesellschaften (auch exempt. Companies) realisieren dabei nur Umsätze außerhalb des Sitzstaates der Gesellschaft und sind daher von der Ertragssteuer freigestellt.

Offshore Firma gründen: Europäische Union

Grundsätzlich gestaltet sich eine Firmengründung in der EU für EU-Ansässige vorteilhaft: Positivwirkung der EU-Niederlassungsfreiheit, EU-Rechtschutz, keine Negativwirkungen nationaler Regelungen zur Hinzurechnungsbesteuerung (in Deutschland §8 AStG) sofern ausreichend Substanz Escape im Sitzstaat, Positivwirkung der EU-Mutter-Tochter-Richtlinie, Keine Wegzugsbesteuerung (Entstrickungsbesteuerung).

Außerdem: Beim Vorliegen einer ordnungsgemäßen Gründung einer Gesellschaft nach dem Recht des Sitzstaates liegt keine Scheinfirma vor, egal welchen Unternehmensgegenstand die Gesellschaft hat und egal, ob sie diesen (gesetzlich zulässigen oder gesetzlich nicht zulässigen) Unternehmensgegenstand auch tatsächlich ausübt. In jedem Falle findet eine pauschale Nichtanerkennung nicht statt. Entsprechend wird das Vorliegen einer Scheingesellschaft von der Rechtsprechung des BFH daher nur in Ausnahmefällen angenommen (Prof. Dr. Thomas Reith, Internationales Steuerrecht,Verlag Vahlen, Seite 71; BFH Urteil vom 23.06.1992,BStBl 1992 II S. 972).

Die EU-Niederlassungsfreiheit erlaubt sogar die gezielte Ausnutzung des Steuergefälles durch Gründung von EU-Auslandsgesellschaften (EuGH-Entscheidung Cadburry Schweppes), erforderlich ist nur Minimalsubstanz im Sinne von mehr als einem bloßen Briefkasten.

Da im Regelfall zudem ein Doppelbesteuerungsabkommen (DBA)  existiert, definiert sich das Vorliegen einer Betriebsstätte im In-und Ausland über Artikel 5 DBA und nicht über innerstaatliche Regelungen (in Deutschland §§12/13 AO).

Bei der Gründung einer Holding: Anwendung der EU-Fusionsrichtlinie/Verschmelzung oder Anteilstausch und Gesellschafter-Fremdfinanzierung, um die Assets der Töchter steuerneutral auf die Holding zu übertragen.

Niedrigsteuerländer für Gesellschaften in der EU sind: Die EU-Sonderzonen Madeira und Kanarische Sonderzone (5% Steuern), Bulgarien (10%), Zypern und Irland (12,5%), Malta mit dem Malta Holding Modell (5%).

EU Ansässige sollten also zunächst darüber nachdenken, ob nicht eine Firmengründung in der EU besser geeignet ist, als eine Offshore Firmengründung im Nur-DBA-Sachverhalt oder eine Offshore Firmengründung in sogenannten Steueroasen

Offshore Firma gründen: Sonderfall Liechtenstein

Liechtenstein hat sein Steuerrecht grundlegend geändert und ist nun “EU-rechtskonform” geworden. Der Normalsteuersatz für Unternehmen beträgt nunmehr 12,5%. Liechtenstein hat zudem ein Doppelbesteuerungsabkommen u.a. mit Deutschland geschlossen. Liechtenstein kennt keine Quellensteuern auf Zinsen, Dividenden oder Lizenzgebühren. Mithin auch keine Quellensteuer bei Dividendenausschüttungen ins Ausland.

Privilegierte Besteuerung von Einkünften aus Immaterialgüterrechten: 80% der Einkünfte aus Immaterialgüterrechten, die ab dem 1. Januar 2011 geschaffen oder erworben worden sind, werden lt. SteG von der Steuer befreit. In der zugehörigen Verordnung wird aufgezählt, was als Immaterialgüterrecht gilt: Patente, Marken, Muster und Gebrauchsmuster, sofern diese durch Eintragung in ein inländisches, ausländisches oder internationales Register geschützt sind. Sonstige Rechte wie beispielsweise Urheberrechte, Know-how oder Handelsbeziehungen gelten nicht als Immaterialgüterrechte und geniessen daher keine privilegierte Behandlung.

Zu beachten ist allerdings, dass derzeit die Regelungen der EU-Mutter-Tochter-Richtlinie und/oder EU–Fusionsrichtlinie im Kontext einer Firmengründung in Liechtenstein nicht anwendbar sind. Hier muss die Entwicklung abgewartet werden. Gleiches in Bezug auf die Nicht-Wirkung nationaler Regelungen zur Hinzurechnungsbesteuerung. So entfaltet z.B. die Deutsche Hinzurechnungsbesteuerung nach §8 AStG volle Wirkung. Anwendbar ist allerdings grundsätzlich die EU Niederlassungsfreiheit und Urteile zur Niederlassungsfreiheit (EU Rechtschutz).

Offshore Firma gründen: Außerhalb der EU, aber DBA-Sachverhalt

-Abschirmwirkung eines Doppelbesteuerungsabkommens (DBAs) vorhanden, z.B. gegen hohe Quellenbesteuerung bei Dividendenausschüttungen ins Ausland

-Das Vorliegen einer Betriebsstätte im In-und Ausland definiert sich ausschließlich über Artikel 5 DBA und nicht über innerstaatliches Recht (in Deutschland §§12/13 AO). Mithin löst ein Warenlager, eine Repräsentanz oder der ständige Vertreter der Auslandsgesellschaft außerhalb des Sitzstaates keine Betriebsstätte aus, also umgekehrt zum Nicht-DBA-Sachverhalt

-Wirkung der Deutschen Hinzurechnungsbesteuerung nach 8 AStG, andere Länder kennen ähnliche Regelungen

-Keine Wirkung EU-Niederlassungsfreiheit und/oder Urteile des EuGHs zur Niederlassungsfreiheit -Keine Wirkung EU-Fusionsrichtlinie und/oder EU-Mutter-Tochter-Richtlinie

Alternativen außerhalb der EU/EWR für Deutsche Mandanten:

Die Alternative wäre ein Land mit dem Deutschland ein Doppelbesteuerungsabkommen unterhält. Hier kommen insbesondere Länder wie die Schweiz (15,5% im Kanton Zug),  Singapur (0-17,5%), Mauritius oder die VAE (keine Steuern) in Frage. Allerdings greifen hier ggf. die Negativwirkungen einer Hinzurechnungsbesteuerung (in Deutschland §8 AStG) und es muss hinsichtlich des Substanz-Escape „aufgerüstet“ werden, da die Positivwirkungen der EU Niederlassungsfreiheit /EU-Rechtschutz nicht greifen (Büro mit Mietvertrag,  möglichst angestellter Geschäftsführer mit Arbeitsvertrag zur Gesellschaft oder zumindest aktiver Direktor der Verträge zeichnet).

Alternativen außerhalb der EU/EWR für Mandanten aus anderen Ländern:

Hier kommt es darauf an, mit welchen Ländern ein Doppelbesteuerungsabkommen besteht und ob es vergleichbare Regelungen einer Hinzurechnungsbesteuerung gibt.

Offshore Firma gründen: Drittstaaten (Steueroasen-Länder), kein DBA-Sachverhalt

-Annahme des Gestaltungsmissbrauchs (nationale Gesetze/Regelungen zur Verhinderung der Steuerflucht), Umkehr der Beweislast (der mutmaßlich Steuerflüchtige muss nachweisen, dass es sich nicht um eine rechtswidrige Zwischengesellschaft handelt), Negativwirkungen der G20 Abkommen (Abkommen über Auskunftsersuchen in Steuerangelegenheiten zwischen Steueroasenländern und den G20 Staaten) und das Vorliegen einer Betriebsstätte außerhalb des Sitzstaates definiert sich nicht über Artikel 5 DBA (Doppelbesteuerungsabkommen), sondern über die innerstaatlichen Regelungen (in Deutschland also über §§12/13 A0). Für Deutsche Mandanten außerdem: Negativwirkungen der Steuerhinterziehungsbekämpfungsverordnung und Negativwirkung des Deutschen Außensteuergesetzes (§ 8 AStG, Hinzurechnungsbesteuerung).

Diese Negativwirkungen können i.d.R. nur verhindert werden, sofern:

-„Der Ort der geschäftlichen Oberleitung“ nachweisbar im Sitzstaat (also z.B. auf den Seychellen,Cayman Islands usw.) belegen ist: Bei Treuhand kein Nominee- oder reiner Treuhand-Direktor, sondern angestellter Direktor im Sitzstaat mit Angestelltenvertrag zur Gesellschaft und vergleichbarem/üblichen Gehalt (Fremdvergleichsgrundsatz) UND

-Im Sitzstaat (also z.B. auf den Seychellen, BVI usw) ein in kaufmännischer Weise eingerichteter Geschäftsbetrieb installiert wird (Büro und Mietvertrag, ggf. Mitarbeiter, =Fremdvergleichsgrundsatz) UND

-ein wirtschaftlicher Grund vorliegt.

Die Negativwirkungen des Deutschen Außensteuergesetzes können zu dem nur vermieden werden, sofern die Gesellschaft im Sitzstaat aktive Geschäfte nach Aktivkatalog des §8 AStG realisiert, sofern ein Deutscher Anteilseigner mehr als 50% der Shares hält (beherrschenden Einfluss). Die meisten Industriestaaten kennen übrigens eine vergleichbare Regelung wie das Deutsche Außensteuergesetz.

Österreich kennt keine Regelungen zur Hinzurechnungsbesteuerung analog des Deutschen Außensteuergesetz. Von obigen Betrachtungsweisen kann abgewichen werden, wenn im Sitzstaat (also z.B. auf den Seychellen, Cayman Islands usw) eine Produktionsstätte, eine Stätte zur Ausbeutung von Bodenschätzen, ein land-oder forstwirtschaftlicher Betrieb oder eine Bauausführung länger als 12 Monate Dauer existiert, dann immer Betriebsstätte im Sitzstaat.

Aufgrund obiger Einlassungen eignen sich für die meisten Mandanten Gesellschaftsgründungen in der EU oder zumindest im DBA-Sachverhalt besser, als Firmengründungen in typischen Steueroasen-Ländern.

Offshore Firma gründen: Gestaltung mittels Holding

Obige Einlassungen gehen davon aus, dass eine Betriebsstätte im Ausland installiert wird bzw. die z.B. Deutsche Betriebsstätte ins Ausland verlagert wird. Verbleibt die Betriebsstätte- bzw. die Betriebsstätten- im Inland (also z.B. in Deutschland oder Österreich) so eignet sich die Steuergestaltung mittels Zwischenholding. Sind die Betriebsstätten in der EU belegen eignet sich am besten eine EU-Holding (zentral Zypern, Niederlande): Positivwirkungen der EU-Niederlassungsfreiheit/EU-Rechtschutz, Positivwirkung EU–Mutter-Tochter-Richtlinie und EU-Fusionsrichtlinie. Zum Thema Steuergestaltung mittels Zwischenholding halten wir entsprechende Informationen für unsere Mandanten bereit.

Offshore Firma gründen: Die Vermeidung der rechtswidrigen Zwischengesellschaft

In jedem Falle ist i.d.R. die Annahme der rechtswidrigen Zwischengesellschaft zu vermeiden. Diese liegt bei einer reinen „Briefkastengesellschaft“ ohne Substanz Escape vor und/oder wenn die Annahme getroffen werden kann, dass eine „Fernsteuerung“ z.B. von Deutschland (bzw. Sitzstaat des Mandanten) aus geschieht. Daher ist dringend von Gestaltungen mit reinem Nominee-Direktor und/oder „nur Registered Office“ im Ausland (Sitzstaat der Gesellschaft) abzuraten. Unsere Kanzlei ist bei Treuhand-Gestaltungen (sofern gewünscht und/oder zwingend) in der Lage aktive Treuhand-Direktoren (Anwälte im Sitzstaat/Berufsgeheimnisträger, die aktiv tätig sind und Verträge zeichnen) zu stellen und/oder einen ordentlichen Geschäftssitz.

 

 

 

 
 
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